Sonntag, 25.8. - Nevers bis Cosne-sur-Loire, 75 km

Als ich um acht Uhr aus dem Hotelfenster schaue, liegt Hochnebel über der Stadt und dem Flusstal. Nachdem wir gefrühstückt, bezahlt, gepackt und die neugierigen Fragen des Hoteliers (der ebenfalls sehr freundlich ist) nach der Vollfederung unserer Räder beantwortet haben, rollen wir hinunter zur Loire. Dort, an dieser Stelle, sassen wir vor einem Jahr und haben traurig zugesehen wie das Wasser gen Ozean fliessen durfte, während wir wieder nach Hause fahren mussten…

Heute sind wir endlich wieder hier und dürfen dem Fluss folgen, die Vororte Nevers' hinter uns lassen und in die typisch-französische Bocagelandschaft eintauchen: Wiesen, Hecken, Büsche, Wäldchen, Vieh auf den Weiden und immer wieder der Blick auf die Loire mit ihren Sandbänken. Es ist immer noch recht trübe und ab und zu spüren wir den ein oder anderen Regentropfen, es ist aber zu wenig um es als Nieseln zu bezeichnen (in einer Bar bezeichnet es die Wirtin als "Spatzenpisse"…) und die Temperaturen halten sich in Grenzen. Auf der negativen Seite gibt es heute einen totgefahrenen Fuchs zu verzeichnen, eine Bisamratte und einen Igel, die beide derselbe Tod ereilte, meine Knie sagen "Hallo, hier sind wir wieder!" und meine Handgelenke schmerzen nach ein paar Kilometern, das wird die ganze Reise über auszuhalten sein. Positiv ist unsere Stimmung (obwohl diese natürlich im Laufe des Tages diversen Höhen und Tiefen unterworfen ist), zwei Fischadler die über dem Fluss rütteln, die vielen Schwalben die sich auf den Stromleitungen für ihre eigene grosse Reise sammeln und dass wir endlich wieder unterwegs sind!


Die Landschaft ist hier nicht immer schön zu nennen, man kann es ruhig sagen, zeitweise geht es wieder wie voriges Jahr auf kerzengeraden Strassen den Seitenkanal der Loire entlang, dann wieder durch eine intensiv landwirtschaftlich genutzte Gegend mit kilometerweiten, schon abgeernteten Feldern oder aber riesigen Sonnenblumenfeldern, wobei diese leider schon verblüht sind und ihre Köpfe hängen lassen. Interessanter wird's kurz vor Sancerre als sich unser Strässlein wieder in sanftem, kurvenreichen Auf und Ab durch eine Weidelandschaft schlängelt. Der Ort Sancerre thront weithin sichtbar auf einer Anhöhe. Wir sind natürlich und eigentlich "vers la mer" unterwegs aber genau genommen befinden wir uns nun auf der "Route de vignobles au coeur de France"! Ja! Im Herzen Frankreichs, das kann man wohl sagen!

Hier sieht man fast in jedem Städtchen, entweder am Ortsaus- oder eingang, diverse hochherrschaftliche Villen oder kleine Chateaus inmitten grosser Parkanlagen stehen. Eins hat es mir besonders angetan: ein zweistöckiges, etwas heruntergekommenes Herrenhaus mit weiss gekiester Einfahrt, prunkvoller Freitreppe und zwei alten, aber schon wirklich sehr alten und hohen Sequoias vor dem Haus. Da müsste man wohnen - und auch noch das Personal haben das die Bude und den Garten in Ordnung hält. Um halb vier nähern wir uns Cosne-sur-Loire, der Tacho zeigt um die 75 km und unser Energiepegel gen Null, wir checken auf dem Campingplatz ein und können auf eine gelungene erste Etappe zurückblicken! Ach ja: am Nachmittag kommt die Sonne immer wieder mal durch und ich merke dass ich mich erst an dieses feuchtwarme Klima hier gewöhnen muss. Abends sitzen wir auf der Terasse der Campingplatz-Bar und werden von einem Alleinunterhalter ziemlich deplaziert mit Jazz-Standards beschallt. Nun ja…







 
 
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