| weiterlesen - zurück zur Titelseite - zurück zur Homepage | |||||||||||||||||||||||||||||||
|
Hier
gibt's den kompletten Reisebericht ohne Fotos als PDF-File (189 KB)
Na dann eben umdisponiert und das Pferd von rückwärts aufgezäumt, also zuerst nach Münster mit dem Zug und alsdann von Nord nach Süd geradelt. Doch auch da ist nichts mehr zu machen - alles ist dicht, alles ist ausgebucht! Ohne Fahrrad wäre alles kein Problem, nur "mit" klappt es nicht. Der Herr hinter dem Schalter nimmt sich viel Zeit für mich und wir basteln recht lange an Alternativen herum. Aber wie man es auch dreht und wendet, es geht einfach nichts mehr, es sei denn, ich nehme einen Umsteigemarathon in Regionalzügen in Kauf (wobei man auch hier nicht sicher sein kann, dass ich mein Rad mit in den Zug bekomme). Und angesichts der Pünktlichkeit der Deutschen Bahn und der nicht geringen Wahrscheinlichkeit von verpassten Anschlusszügen und den damit verbundenen Wartezeiten ach was, irgendwann winke ich entnervt ab. Ich will mir meine in zwei Wochen hoffentlich angeradelte Erholung nicht auch noch am Rückreisetag durch Umsteigestress kaputt machen, zumal es tags darauf, an meinem ersten Arbeitstag, im Büro recht heftig zur Sache gehen soll. Jetzt gucke ich also zugegebenermassen recht dumm aus der Wäsche! Wohin also nun und wie weiter? Worauf hab ich überhaupt Lust? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten: Ich bin momentan recht durch den Wind. Mein Vater ist vor zwei Wochen völlig unerwartet verstorben, nachdem er meine Mutter nur um etwas mehr als zwei Jahre überlebt hat. Das kam so völlig überraschend und jetzt erst, wo die Trauerfeierlichkeiten vorbei sind, wird mir bewusst, was da eigentlich wirklich geschehen ist und dass mit dem Ableben meiner Eltern nun auch eine Lebensphase, eine Ära zu Ende geht. Und nun steht da noch dieser Urlaub im Raum, diese Radreise, die aber nun nicht so funktioniert wie ursprünglich geplant. Nachdem ich kein Zugticket für mein Rad kaufen konnte, komme ich mir erstmal vor wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg. Zwei Wochen Urlaub habe ich zur Verfügung - und plötzlich keinen blassen Schimmer mehr, was ich denn nun mit dieser Zeit überhaupt anfangen möchte. In einer ersten Reaktion will ich zuerst schon alles abblasen, meinen Urlaub zuhause verbringen und bei gutem Wetter halt dann spontan Tagestouren im Zürcher Umland unternehmen. Doch das ist eben nicht dasselbe. Man gewinnt keinen Abstand und so richtig zum Nachdenken kommt man daheim auch nicht. Und es sind immer die gleichen Strecken, die gleichen Gegenden, die ich eh schon in und auswendig kenne. Wo ist denn diesmal bloss meine Fantasie geblieben? Normalerweise habe ich doch zu jedem Plan noch zusätzlich ein halbes Dutzend Alternativen in petto Aber diesmal sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht, spüre nur intuitiv, dass mir dieser Solo-Trip gut täte, gerade im augenblicklichen emotionellen Durcheinander, und doch weiss ich nicht so recht wohin mit mir. So kommt zuhause eben erstmal wieder der gute alte Diercke auf den Tisch. In Deutschland würde ich nach wie vor gerne radeln wollen, falls und wenn. Weit vorne im Atlas gibt's die Gesamtansicht der Bundesrepublik, da kann man sich einen Überblick verschaffen. Dazu noch das Buch "Radfernwege in Deutschland", das ebenfalls immer höchst Appetit anregend wirkt. Aber nichts zieht, nichts packt mich so richtig, alle Routen, die ich da dokumentiert sehe, fühlen sich lau und schal an. So vergehen ein paar Tage, bis mein Blick, gewissermassen kurz vor zwölf, auf die Karte "Bayernnetz für Radler" fällt, die sich ebenfalls in meinem Kartenfundus befindet. Tja Bayern...meine Heimat. Letztes Jahr hatte ich doch so eine schöne Reise entlang der Donau und dann noch die paar Tage zuhause in Oberviechtach und jetzt und jetzt hätte ich doch eigentlich auch wieder genügend Zeit! Und plötzlich kommen mir nun allerhand Bilder, und zwar die richtigen, in den Sinn: wie wir neulich abends mit dem Auto von Oberviechtach nach Regensburg zu meiner Schwester gefahren sind...im Abendlicht das Schwarzachtal entlang. Dieses satte, saftige Grün der Wiesen im warmen Licht des Sonnenunterganges, der kleine Fluss mit seinen engen Schleifen, die Weiden, deren Blattunterseiten hell aufleuchten was für eine Augenweide! Und mit diesen Bildern im Kopf und der Bayernkarte auf dem Tisch kommen noch andere Erinnerungen hoch: die flirrende Luft über dem Aischtal an einem heissen Sommernachmittag...der Oberlauf des Mains an einem kühlen Morgen bei strahlend blauem Himmel und das Waldland in der fränkischen Schweiz. Hm ja also wieso eigentlich nicht? Ja warum eigentlich nicht in diese Richtung aufbrechen? Die Gegend so zwischen Rothenburg ob der Tauber und Bayreuth dann vielleicht jenseits von Nürnberg nach Süden bis zur Altmühl, das könnte ich mir gut vorstellen. Sozusagen von der "richtigen" Schweiz in die Fränkische Schweiz - das wäre sogar ein passendes Motto für die Reise! Als ich mir das eine Weile durch den Kopf gehen lasse, entsteht endlich die erwünschte Sogwirkung die Ferne ruft! Laut ist ihr Schrei Die Reise könnte jetzt also so aussehen: direkt von der Haustür aus losgeradelt, die erste Etappe bis nach Ramsen, denn das bietet sich an und im Hotel zum Hirschen steht immer noch die Zimmerreservierung, die ich für die ursprünglich geplante Reise schon getätigt habe. Anschliessend so circa über Singen, Stockach und Messkirch nach Mengen an die Donau. Dem Fluss bis hinter Ulm gefolgt und dann in den Hohenlohe-Ostalb-Weg abgebogen, der mich bis Rothenburg ob der Tauber führen könnte. Hier will ich dann spontan und vor Ort entscheiden, wie es weitergehen soll. Wahrscheinlich würde ich den Aischtal-Radweg bis Forchheim nehmen und mal sehen, wie viel Zeit ich bis dahin verbraucht habe und welche Strecke sich für die Weiterreise anbietet. An sich wäre eine Rundreise ein gut Ding, denn auf eine Zugfahrt hab ich grad keinen grossen Bock. Ich müsste einfach rechtzeitig einen Bogen schlagen, um wieder so weit wie möglich an Zürich heran zu kommen. Endlich! Endlich habe ich doch noch Ersatz für
die ins Wasser gefallene Tour gefunden und nun beginne ich mich wirklich
darauf zu freuen, denn das ist nun kein Notbehelf mehr, sondern eine wirklich
interessante Strecke! |
||||||||||||||||||||||||||||||
| weiterlesen - zurück zur Titelseite - zurück zur Homepage | |||||||||||||||||||||||||||||||