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gibt's den kompletten Reisebericht ohne Fotos als PDF-File (113 KB)
Es ist nicht viel geplant diesmal. Es steht lediglich fest, dass wir wieder das Netz der Logis-de-France-Hotels nutzen und uns von der Hoteldichte die Etappenlänge bestimmen lassen wollen, dass wir eine Art Rundtour anpeilen und es generell wieder gemütlich angehen wollen. Ein Streckenziel gibt es diesmal nicht, wir wollen einfach unterwegs sein - also im Prinzip immer eigenen der Nase nach.
Draussen knirscht der Kies. Der gesamte Innenhof der "Le Moulin Bas" wird gerade betischt und bestuhlt, denn heute Abend erwartet man hier eine Hochzeitsgesellschaft. Zusätzlich ist um die Mittagszeit wohl eine hundertfünfzigköpfige Motorradtruppe hier eingefallen und die ganze Belegschaft rotiert nun, um deren Hinterlassenschaften aufzuräumen und alles für den anstehenden Event vorzubereiten. Als ich besagtes Knirschen höre, liege ich gerade in der Badewanne und geniesse das Bewusstsein einer schön verlaufenen ersten Etappe und trinke dazu ein Bier. Das darf man. Auch wenn der Tacho bei "nur" siebenundvierzig Kilometern stehen geblieben ist. Doch diese siebenundvierzig Kilometer an unserem ersten Etappentag hatten es stellenweise in sich! Das fing schon damit an, dass wir gestern für unsere Verhältnisse erst sehr spät ins Bett kamen und heute dementsprechend, na ja, un-fit waren. Das war allerdings einkalkuliert und wir hatten uns deswegen eigentlich vorgenommen, eine möglichst bequeme erste Tagestour zu fahren. Doch Wunschdenken und Realität sind oft zwei Paar Stiefel Der Landgasthof, in dem wir heute untergekommen sind, geht auf die Empfehlung eines Arbeitskollegen zurück ("gutes Essen, idyllisches Ambiente, absoluter Geheimtipp"), der ausserdem meinte, Ligsdorf liege ja nur etwa zwanzig Kilometer von Basel entfernt. Stimmt natürlich. Aber als Autofahrer denkt man einfach in anderen Kategorien und so unbedeutende Details wie Höhenunterschiede oder Verkehrsaufkommen interessieren da nicht so sehr. Mir war zwar bei der Planung dieser ersten Etappe schon klar, dass wir nicht auf dem geraden Weg hierher radeln würden/könnten/sollten, aber mit der wirklichen Streckenlänge und vor allen Dingen mit den tatsächlichen Höhenmetern hatte ich mich wohl etwas verkalkuliert. Egal, wir sind müde aber glücklich hier angekommen und entspannen uns nun, und ausserdem war's landschaftlich eine schöne Tour. Ursprünglich wollte ich auf dieser Reise ja das neue Trike fahren, hab mich aber heute früh doch noch ganz spontan gegen das Dreirad und für die Speedmachine entschieden. Irgendwie bekam ich plötzlich Panik wegen der französischen Strassenverhältnisse. Nicht mal unbedingt wegen der Schlaglöcher und "Fleckerlteppiche" auf/in all den kleinen und kleinsten Strassen, sondern wegen dem manchmal sonderbaren Querschnitt: es gibt oft einen Scheitelpunkt in der Mitte der Strasse und zum Strassenrand hin ein mehr oder minder heftiges Gefälle. Und wer schon mal Erfahrungen mit einem Dreirad gemacht hat, der weiss, dass man auf so einem Gefährt bei solch einem Untergrund einfach schräg sitzt, weil sich Trikes nun mal nicht in die Kurve bzw. Schräge lehnen wollen. Zudem ist die Mitnahme eines Rades in den Zug in Frankreich immer so eine Sache. Man kommt zwar in den Regionalzügen immer mit, aber der Platz, der für die Velos zur Verfügung steht, kann eben vom extra Gepäckwagen bis zum stillgelegten Personenabteil mit ultraschmalen Türen reichen, da ist so ziemlich alles drin. Und auch diesbezüglich ist man mit einem Zweirad doch besser bedient. Jedenfalls: das Trike bleibt kurzerhand zuhause und die als Reiserad mehr als bewährte Speedmachine kommt wieder mit. Zwar ist das Rad noch in genau dem Zustand, in dem ich es nach der letzt jährigen Reise von Zürich nach Oberviechtach in den Keller stellte (Schande über mich), aber das wird schon irgendwie gehen. Und wie sich heraus gestellt hat, war diese Entscheidung auch richtig. Der Zug um kurz nach zehn bringt uns heute von Oerlikon nach Basel. Der Stadtverkehr in Basel gestaltet sich erstaunlich ruhig und wir finden (fast) auf Anhieb den Einstieg in den Kanalweg in Huningue. Das Gewässer, neben dem unser Pfad entlang führt, fliesst hier zuerst durch ein Wohngebiet. Dort hat man so eine Art Naherholungszone geschaffen. Sogar mit einem Wildwasser-Parcour für Kajaks, der heute recht frequentiert wird. Auf genau derselben Strecke, die wir schon auf früheren Reisen - zum Beispiel im letzten Jahr - genommen haben, kommen wir völlig verkehrsfrei aus der Basler Agglomeration heraus. Zudem erinnert heute die "Petit Camargue Alsace" wirklich an die Namensgeberin in Südfrankreich, gerade bei dem wolkenlosen Mittagshimmel und den heissen Temperaturen. Dazu noch all das Schilf und die Wasserpflanzen. Bei Rosenau kehren wir dem Ganzen dann allerdings den Rücken. Jetzt gilt es erstmal, sich wieder an Frankreichs Strassen zu gewöhnen. Und daran, dass hier auch noch Autos fahren und man nicht alleine auf weiter Flur ist. Die weite Flur heisst hier übrigens "Sundgau"! Bartenheim, Brinckheim, Kappelen das sind alles schmucke Elsässer Dörfchen, fein herausgeputzt. Man sieht oder vermutet, dass sich hier auch der ein oder andere Schweizer oder Deutsche ein Domizil jenseits der eigenen Landesgrenze geschaffen hat. Verdenken kann man's demjenigen nicht - angesichts der grossen Gärten und des Platzangebotes kommt man durchaus auch selber ins Träumen. Wenn man so ein Anwesen mit uraltem Baumbestand übernehmen könnte! Das Häuschen dürfte ruhig klein und unscheinbar sein aber ein Park oder Garten mit so eindrucksvollen Bäumen, wie man sie hier sieht, das wär's Aber wo waren wir? Ach ja: auch Kappelen gehört mit
zu den schnieken Dörfchen. Doch hier geht's recht forsch den Berg
hinan, und das recht lange. Oben findet man sich dann auf einem Plateau
wieder und kann den Blick nach allen Richtungen weit schweifen lassen,
unter anderem auch in jene Talsenke, in der man Basel grad noch so in
der Ferne erkennen kann, mit den dunklen Hügelketten des Juras am
Horizont. Von hier an geht es im gemächlichen Auf und Ab dahin. Wir
kommen an blühenden Wiesen vorbei, werden vom Gesang einer Lerche
begleitet, alles so, wie es sich in Frankreich gehört. Wenn das kein
guter Einstieg ist? Im Laufe des frühen Abends trudelt dann die Hochzeitsgesellschaft ein und wir haben unserer Spass beim Beobachten des ringsum stattfindenden Treibens. Der 7.7.07 scheint in beliebtes Hochzeitsdatum zu sein: die ganze Zeit sind uns hupende Hochzeitskarawanen mit dem Brautauto vorne dran begegnet, oder aber Fahrzeuge mit geschmückten Antennen und Seitenspiegeln, deren Insassen wohl grad zur entsprechenden Fete unterwegs waren. Aber hier in der Moulin Bas: soviel fein gekleidete Leute aber auch! Leider hatte der Outfitberater des Bräutigams wohl nicht gerade einen seiner besten Momente, jedenfalls ist der Anzug des männlichen Hauptdarstellers etwas zu gross geraten und gibt seinem Träger trotz des sichtbar feinen Zwirns etwas Vogelscheuchig-Vom-Winde-Verwehtes. Das Brautkleid sitzt dagegen ganz gut, allerdings bleibt die Schleppe nicht allzu lange weiss, denn es hat hier die letzten Tage über geregnet und es werden natürlich Fotos am Teich gemacht und die Wege dorthin sind nicht asphaltiert Später hört man dann noch einen Alleinunterhalter. Der hat sich auf italienisches Liedgut spezialisiert und bringt von aktuellen italienischen Songs über 60er/70er Jahre Italohits (Azzzzuuuurrroooooo ) bis hin zu einem Arien-Medley aus diversen Verdi-Opern ein buntgemischtes Allerlei. Er ist sogar ein ganz akzeptabler Tenor. Allen Respekt! Den Leuten jedenfalls gefällt's und uns auch. Wir beschliessen den Abend aber trotzdem kurz nachdem die Mauersegler schlafen gehen und die ersten Fledermaus-Patrouillen auftauchen. |
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