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- zurück zur Homepage Gesamter Bericht ohne Fotos als PDF (130 KB) Alle Fotos lassen durch Anclicken vergrössern Nun also doch! Vorigen Sommer wollte es mir partout nicht gelingen, eine Zugreise für mich (und vor allen Dingen für mein Fahrrad) von Zürich nach Münster zu organisieren: ich war reichlich spät dran und dementsprechend waren schon alle Velostellplätze in den Fernzügen ausgebucht. Solche unliebsamen Erfahrungen haben neben der Enttäuschung natürlich auch einen positiven, nämlich den allgemein bekannten Lerneffekt. Zeitig buche ich also diesmal meine Zugfahrt und nun steht meiner Reise nichts mehr entgegen. Auf Münster fiel die Wahl deswegen, weil dort in der Nähe Christine wohnt, selber begeisterte Radreisende und langjährige Freundin. Wir haben uns schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen und es wird mal wieder Zeit. Ausserdem will ich nicht nur Christine besuchen, sondern auch noch Bille und Rudi, die geschätzte zwei Tagesreisen südlich von Münster in einem Städtchen namens Marienheide wohnen - das wird meine zweite Anlaufstation sein. Die Speedmachine ist nach wie vor mein bestes Pferd im Stall (zumindest was ihre Allround-Eigenschaften anbelangt) und wird mich begleiten, also alles wie gehabt. Nur das Laptop, das ich auf der Frühjahrsreise probeweise mit dabei hatte, bleibt diesmal zuhause. Nicht wegen des zusätzlichen Gewichtes, sondern weil ich damit nicht gemütlich in den Cafés oder Gaststuben sitzen und schreiben kann: der Akku des Notebooks ist hinüber (ich bräuchte also Anschluss an das Stromnetz) und zudem ist es viel bequemer, sich einfach mal ein oder zwei Stichpunkte in ein ("analoges") Tagebuch notieren zu können, ohne deswegen immer gleich ein Laptop hoch starten zu müssen. Und "Paralleluniversum" deswegen, weil weite Teile dieser Reise parallel mit der Deutschlandtour im Mai verlaufen werden - einfach etwas westlicher als die damalige Route. Geplant war eigentlich wieder mal etwas anderes, aber darüber lasse ich mich diesmal nicht gross aus - über meine Planungsorgien und die tatsächlich gefahrenen Strecken hab ich ja in früheren Berichten schon des öfteren geschrieben (Nebeneffekt solch wilder Planereien ist ein kontinuierliches Anwachsen meiner Landkarten- und BIKELINE-Radtourenbücher-Sammlung). Schwerpunkte dieser Reise hier werden die Besuche bei Chrissie, Bille und Rudi sein, und der Wunsch, mit dem Fahrrad mal wieder meine Grenzen auszuloten. In den letzten Wochen und Monaten hab ich nämlich mehr Speck zugelegt, als ich jemals auf den Rippen hatte und na ja reden wir nicht weiter darüber lieber mal Vorhang auf, die Reise kann beginnen: Am Freitag, 15. August, regnet es in Strömen und angetan mit meinen Regenklamotten rolle ich am Vormittag hinunter zum Zürcher Hauptbahnhof. Angesichts der guten Wetterprognosen für Norddeutschland stört mich das Wetter hier in der Schweiz allerdings herzlich wenig. Trotzdem ist es natürlich lästig, am Bahnhof und später im Zug mit den nassen Regensachen hantieren zu müssen. Als Entschädigung dafür wird mir problemloses Einladen mitsamt den Packtaschen in den Eurocity geboten, der mich ohne Umsteigen bis nach Münster bringen wird. Acht Stunden wird die Fahrt dauern, Zeit, um schon mal ein wenig Abstand zum Alltag aufzubauen, die Seele auf das zweiwöchige Baumeln einzustimmen und sich an den Landschaften des Rheintales zu erfreuen. Chrissie holt mich abends vom Bahnhof ab und dummerweise begehe ich dort einen Kardinalfehler, dessen Auswirkungen mir die ganze Reise über zu schaffen machen werden: ich passe wieder mal nicht auf und trage mein voll bepacktes Rad die Treppe vom Bahnsteig zum Zwischengang des Bahnhofs hinunter, anstatt wie sonst auch Velo und Packtaschen getrennt zu transportieren, und prompt knackse ich mir dabei erneut meinen Rücken an. Bei unerwarteten Situationen, wenn spontane Aktion gefragt ist, vergesse ich schon mal, dass ich nicht mehr schwer heben kann. Nun, selber Schuld, jetzt kann ich zwar stehen, liegen und einigermassen sitzen, aber jeder Wechsel von der einen in die andere Position ist erstmal schmerzhaft. Das wird sich hoffentlich in den nächsten Tagen wieder einrenken und mich nicht gross beim Radfahren stören. Zum Glück bin ich mit dem Liegerad unterwegs und das ist ja eh die rückenfreundlichste Variante. Am Wochenende unternehmen Chrissie und ich Touren ins Münsterland, radeln zum Dortmund-Ems-Kanal und zu den Rieselfeldern, einem Naturschutzgebiet nördlich von Münster und tun halt das, was Freunde, die sich schon länger nicht mehr gesehen haben, meistens tun: sie tauschen sich über alles mögliche aus und geniessen die Zeit miteinander. |
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