Hier gibt's den kompletten Reisebericht (ohne Fotos) als PDF zum Download.


In einer anderen Zeit, in einem anderen Land, in einer anderen Stadt, da lebten in meinem Haushalt zwei junge Kätzchen. Nette kleine Rabauken waren das. Natürlich extrem niedlich und anfänglich auch noch recht friedlich. Doch just in dem Augenblick, als bei mir nach Jahren unnützer Urlaubsfahrten mit dem Automobil endlich die Dämmerung anbrach, sozusagen die Morgenröte des Radreisens, kamen die beiden in die Flegeljahre und alles, was nicht niet- und nagelfest war, blieb vor ihnen verschont. So entwickelten sie unter anderem eine nicht statthafte und schon gar nicht katzenhafte Vorliebe für Bücher: egal ob Buchdeckel, Titelblatt oder Frontispiz - alles wurde angeknabbert und zerkaut. Damals hatte ich mir gerade aus der Leihbücherei mehrere Radreiseführer mit nach Hause genommen, darunter auch den Band "Radwanderführer Oberschwaben - Bodensee" des Kompass Verlages, ein kleines grünes Büchlein. Und eines Tages fiel gerade dieses mir nicht gehörende Druckerzeugnis den Attacken meiner felinen Mitbewohner zum Opfer. Genauer gesagt wurde der Umschlag dergestalt malträtiert, dass ich ihn der Bibliothek so nicht mehr zurückgeben konnte und mochte. Nach Bereinigung dieser Angelegenheit und Begleichung der Unkosten verblieb der Reiseführer bei mir und führte neben den viel dekorativeren und süffigeren blauen Bikeführern der Konkurrenzfirma ein Schattendasein in den Tiefen meiner Bücherregale. Bis es mir diesen Winter beim Stöbern wieder in die Hände fiel und auf den Stapel der gerne nebenbei mal beschmökerten Bücher auf dem Sofa landete. Und wie schon des öfteren erzählt, pflegen sich Reiseideen bei mir oft ganz langsam im Unterbewusstsein vorzubereiten und kommen eines Tages, nach erfolgter unterirdischer Gärung, plötzlich sprudelnd und schäumend zur Oberfläche und brechen sich Bahn. Und genauso war es auch dieses Mal.

Da die Ostertage heuer recht spät liegen, eigentlich schon in der Velosaison, weiten wir unser übliches Osterwochenende am Bodensee zu einer kleinen Radreise aus. Etwas mehr als eine Woche - im ganzen neun Etappentage - gönnen wir uns. Und keine Minute soll mit Anreise / Bahnfahrt verschwendet werden und wir wollen wieder einmal direkt von der Haustür aus losradeln. Und treffender Weise liegt mein absolutes Lieblingsrevier gerade mal zwei Velotagesreisen entfernt: eben der oben schon erwähnte Landstrich. Hundertmal bin ich gefühlt dort schon unterwegs gewesen, immer wieder hat es mir gut gefallen und immer wieder kommen mir grad in der Winterpause die Bilder dieser Touren in den Sinn. Die Etappenlängen werden ein bisschen kürzer als auch schon ausfallen, um ein paar Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, die ich bisher immer links liegen liess.

Für die Reise wird wieder mal meine gute alte Speedmachine aus dem Stall gelassen. Im Frühjahr hat sie einen Komplettservice beim Händler verabreicht bekommen, neue Kette, Ritzel und Züge, dazu hab ich mich von den ursprünglich verbauten Bremsen getrennt und ihr Avid BB7-Scheibenbremsen spendiert, die ich auch an meinen anderen Liegevelos fahre und von denen ich sehr angetan bin. Und anstatt der dünnen Slicks sind momentan mal dickere Tourenreifen aufgezogen - und dafür wurde das vordere Schutzblech gegen so einen komischen Spritzschutz für Mountainbikes getauscht. Schaut doof aus, ich weiss, aber wenigstens wird das Spritzwasser vom Vorderrad bei einer eventuellen Regenfahrt nicht auf mir landen. Speedy mag eben keine dicken Reifen und da muss man improvisieren. Margrits Rad, das Riese & Müller Delite Blue, mittlerweile auch ein Veteran, schnurrt zuverlässig wie eh und je - sowieso eines der besten Räder, die ich kenne.