Da sitzt er, der Walter Giller. Ganz der junge Windhund, der er mal war. An einem Holzpfosten lehnt er, balanciert die Kippe lässig im Mundwinkel und bemalt einen Rettungsring, während hinter ihm der Wind im grau-grünen Schilf spielt und ein paar Schwäne auf dem Wasser dümpeln. Heinz Erhard müht sich vergeblich mit einem Seemannsknoten ab und Kuli beobachtet das alles mit kritischem Blick. Dann die Akkordeonmelodie und los geht's: "Maaaaaarrrrrianne, das Leben könnt schööööööner sein, wenn alle so wären wie du. Maaaaaarrrrrianne, die Welt wär voll Sonnenschein und wir hätten endlich mal Ruh'!" Sie singen ein Loblied auf ihren kleinen Kutter, die drei. Das Boot haben sie sich nämlich vorher besorgt, um etwas Ruhe von der holden Weiblichkeit zu bekommen, die ihnen aus unterschiedlichen Gründen nachstellt. Zuerst machen sie mit der Marianne den Bodensee unsicher und schliesslich schippern sie den Rhein hinab bis nach Holland.

Wer nun diese Szene nicht gleich einzuordnen vermag, dem sei mitgeteilt, dass es sich hierbei um eine Sequenz aus dem Film "Drei Mann in einem Boot" handelt, der irgendwann Ende der Fünfziger oder meinetwegen auch Anfang der Sechziger Jahre gedreht wurde, reichlich versehen mit den drei grossen "K" aus jener Epoche deutschsprachigen Filmschaffens: Kitsch, Klischees und Klamauk. Ich hab's ja manchmal mit diesen Filmchen, Kitsch hin, Klischees her, gerade wenn mich die darin gezeigte Gegend anspricht (und sie an trüben Winternachmittagen ausgestrahlt werden).

  Und jetzt sind wir beim Thema: Bodensee und Rhein. Der See gehört zu unseren gerne besuchten Radrevieren, den Rhein berühren wir dabei meist auch, aber halt immer nur als Zubringer. Dabei fliesst er quasi an unserer Haustür vorbei, kaum mehr als zwanzig Kilometer Luftlinie entfernt. Eigentlich sollte man diesem Fluss mal folgen, so wie es die Jungs im Film getan haben. Nun, bis ganz nach Holland wollen wir (diesmal) nicht. Doch bis Mainz könnten wir ziehen und von dort aus vielleicht mit dem Schiff weiter, an der Loreley vorbei, bis nach Lahnstein. Und im Anschluss daran vielleicht noch ein bisschen die Lahn hochfahren. Das ist das Konzept dieser Reise.

Während des Winters haben wir uns ein neues Mobilitätskonzept überlegt. Da wir in Zukunft gerne auch Fernzüge wie den ICE oder den französischen TGV nutzen und generell flexibler bei der Velomitnahme sein möchten, haben wir uns zwei Falträder besorgt. Diese Velos - es sind zwei Birdy Touring der Fa. Riese und Müller - lassen sich klein zusammenlegen und tragen, mit ihrer Schutzhülle umgeben, nicht mehr auf als ein mittlerer Koffer.
Ob sie auch als Reiseräder geeignet sind, wird sich auf dieser Reise zeigen. Wer mehr über den Gepäcktransport mit dem Birdy wissen will, der kann hier mal vorbeischauen.

Den kompletten Reisebericht kann man auch als PDF herunterladen und eine Übersichtskarte gibt es hier. Und was ist sonst noch wichtig? Genau: Die Fotos unten auf den jeweiligen Etappenseiten lassen sich durch Klick vergrössern.

Und los geht's...