"Ça roule!" meint ein älterer Herr zur Streetmachine, als ich vor einem Lebensmittelgeschäft auf Margrit warte, die gerade Proviant ersteht. Er erzählt, das er vor dem Krieg ebenfalls mal mit einem Liegerad gefahren ist. Übringens scheint ein Liegerad ganz allgemein ein magischer Anziehungspunkt für den französischen Herrn im Rentenalter zu sein...

Und, Hand auf's Herz: heute rollt es wirklich! Der Tag fängt allerdings mit Nebel an. Wir pedalieren ein Flusstal entlang, genauer gesagt das Tal der Grenette. Alles ist nebelverhangen und dampft den gestrigen Regen aus. Dann steigt der Talgrund an und wir klettern einen langgezogenen Anstieg zum Col du Devés hoch. Auf der Landkarte ist diese Strecke als besonders sehenswert eingezeichnet, aber wir sehen nur ein paar Dutzend Meter rechts und links von uns die kleinen und krumm gewachsenen Eichen. Feenland…Niemandsland… Auch auf der Passhöhe sieht man rein gar nichts und erst als es bergab geht sieht man immer mehr, je weiter nach unten man kommt. Die Landschaft dort unten liegt im Sonnenschein. Ich amüsiere mich halbwegs über mich selber, wie ich neugierig dort hinunter spähe und gleichzeitig Bammel davor habe, dass die Strasse an so einem Abgrund vorbei führt, wie er gestern auf einem Poster in der Rezeption des Campingplatzes dargestellt war. So lasse ich weitestgehend die Hände von den Bremsen und der Schwerkraft ihren Lauf und habe Glück mit der Strassenführung. Unten liegt als erstes das Dörfchen Roynac, in dem wir bei schneller Durchfahrt keine Bar sehen und so düsen wir eben mit Caracho ins vier Kilometer entfernte Cléon d'Andran. Zum Gefälle kommt ein starker Rückenwind und wir brauchen kaum zu treten. Hier unten sind wir jetzt also in der Provence, sagt ein Strassenschild. Nun gut, das sollte mit einem Frühstück gefeiert werden!

 

Danach jagt uns der Wind eine Ebene entlang, die Sonne lacht vom blauen Vormittagshimmel und die Luft duftet würzig. Die ersten blauen Lavendelfelder. Irgendwo rechts in der Ferne altes Gemäuer, das wird wahrscheinlich Montelimar sein. Die Weinberge, die kleinen Dörfer mit ihrem mittelalterlichen Kern, die gelben Weizenfelder, kaum Tourismus. Einfach so.

In Allan machen wir Mittagspause. Dann ist Schluss mit lustig, denn für die letzten zwanzig Kilometer bis Bollène dürfen wir noch andere Düfte und Gerüche, nämlich Abgaswolken, schnuppern. Wir müssen zuerst auf die D133 und dann die grosse D448 entlang. Rechts neben uns Autobahn und TGV-Trasse, direkt links neben uns der Verkehr auf "unserer" Strasse. Aber es ist flach und der Wind schiebt immer noch gewaltig an, so sind wir im Nu in der Gegend von Bollène, können noch Lebensmittel einkaufen und bald auf einem Campingplatz einchecken. Dieser 4-Sterne-Platz ist eine Zumutung, es ist das erste Mal seit langem, dass ich einen wirklich versifften Campingplatz erlebe! Hier scheinen die sanitären Anlagen seit Tagen nicht mehr geputzt worden zu sein und die gross präsentierte Épicerie verkauft keine Lebensmittel, sondern lediglich Süssigkeiten, Wein und Bier. Na Mahlzeit!

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    Heute gibt es Nebel, mal was Neues...  
    ...doch das ist nur von kurzer Dauer  
    Das erste Lavendelfeld...  
    ... sind wir denn schon in der Provence?  
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