Nachts fängt es wieder zu regnen an. Irgendwann schrecken wir aufgrund eines undefinierbaren Geräusches aus dem Schlaf und schauen uns fragend an. Dann ein Rascheln, und als ich den Reissverschluss des Zeltes öffne, sehe ich einen Fuchs ein paar Meter entfernt mit unserer Proviant- und Vorrats-Plastiktüte kämpfen. Als er mich entdeckt, nimmt er hastig die Tüte ins Maul und sucht das Weite, während ich teils fluchend, teils belustigt den zurückgelassenen Rest - Getreideriegel, Päckchensuppe und eine Salami - einsammle. Das Biest! In Ermangelung eines sichereren Ortes deponieren wir den Proviant nun im Innenzelt und hoffen, dass er sich nicht erdreistet, die Zeltwand durchzubeissen. Unsere Räder sind aneinander geschlossen und am Lenker baumelt die Tüte mit dem Abfall…eine Weile später gibt's lautes Gebell bzw. Geheul und die Räder fallen um. Nun gut, dann den Abfallsack am besten doch noch zur Abfalltonne bringen. Immerhin regnet es ja nur leicht. Die Salami überlasse ich ihm dann sowieso, mag er sich daran gütlich tun. Schon erstaunlich, wie ein Tier, das man eigentlich schön findet, auf einmal zum Gegner wird… Später in der Nacht nochmals ein wildes Gekreisch, gefolgt von lautem Geschepper und dann einem Herz zerreissenden Gewimmer: jetzt hat er sich wohl irgendwo irgendwie was getan. Das tut jetzt doch in der Seele weh, den frechen Kerl verletzt zu wissen. Irgendwann hört das jämmerliche Gewimmer auf und ich hoffe für ihn, dass es nicht so schlimm gewesen ist und er sich wieder erholt und mit dem Schreck davon kommt!

 

Wenn ein Ruhetag auf dem Campingplatz auch gleichzeitig ein Regentag ist, bliebt nicht viel zu tun. Wir schlafen bis in die Puppen, lesen, schreiben. Nachmittags setzen wir uns in das Restaurant unten am Yachthafen und vom Radio dringen ausser "Mr. Tambourine Man", dargebracht von den Byrds, französische Chansons an unser Ohr und verstärken die Tristesse dieses Tages.

Der Regen prasselt schon seit Stunden pausen- und gnadenlos hernieder und als wir zurück zum Campingplatz spazieren, kommt uns die geniale Idee, an der Rezeption um ein Chalet, einen Caravan oder eine sonstige feste Bleibe nachzufragen. Keine fünf Minuten zu früh, denn auf dem Platz ist kurze Zeit später Land unter! In Windeseile bringen wir unsere Sachen in die uns zur Verfügung gestellte Holzhütte und können sogar unser Zelt auf der überdachten Veranda zum Trocknen aufhängen. Diese Veranda steht auf Stelzen und als sich der Boden darunter immer mehr in einen Teich verwandelt, komme ich mir vor wie in den Sümpfen Louisianas. Fehlt nur noch ein Alligator!

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    Endlich eine sichere Bleibe...  
       
    ...wo man halbwegs trocken kochen kann  
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